Tages-Anzeiger: Eine ID fürs Internet

Roger Zedi, Tages Anzeiger digital

Mit der Suisse-ID können sich ab Mai auch private Anwender im Internet sicher und verbindlich ausweisen. Noch sind die Anwendungsmöglichkeiten aber rar.

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Es sind schon ein paar Jahre ins Land gezogen, seit die Idee einer für alle verfügbaren, sicheren, zuverlässigen, elektronischen Identität erstmals aufkam. In grossen Unternehmen sind die entsprechenden Standards und Technologien mittlerweile etabliert. Heute in einer Woche wird es soweit sein, dass alle, die möchten, sich eine sogenannte Suisse-ID anschaffen könnten.

Mit der ID fürs Internetzeitalter kann man sich im elektronischen Datenverkehr verbindlich ausweisen. Dokumente und E-Mails lassen sich damit digital unterschreiben, womit man dem Empfänger versichern kann, dass man tatsächlich der Absender einer Nachricht ist. Ausserdem kann man damit in Online-Shops sein Alter nachweisen, etwa bei der Bestellung von alkoholischen Getränken.

Interessante Anwendungen sind auch im Bereich E-Government denkbar, etwa das Einreichen der Steuererklärung ohne Ausdruck und manuelle Unterschrift (was heute die Ausnahme ist). Und die Suisse-ID ist ein wichtiges, bisher fehlendes Element für ein sicheres E-Voting.

Wer ab dem 3. Mai eine Suisse-ID möchte, kann diese entweder bei der Post-Tochter Swisssign oder bei Quovadis, dem zweiten offiziellen Herausgeber in der Schweiz, beantragen. Die Suisse-ID von Quovadis enthält zusätzlich eine Verschlüsselungslösung. Nachdem man online einen Antrag ausgestellt und zu Hause ausgedruckt hat, muss man sich damit für die einmalige reale Identifikation auf die Gemeinde oder die Post begeben. Neu können Quovadis-Kunden diesen Schritt auch bei Mobilezone absolvieren. Demnächst folgt ein weiterer Partner mit einem flächendeckenden Netz von Filialen, die 365 Tage im Jahr offen sind.

Der Bund subventioniert
Bis Ende Jahr subventioniert der Bund die Suisse-ID mit 17 Millionen Franken, der Preis für eine Karte (oder den USBStick) reduziert sich somit von 164 auf 99 Franken, das Geld reicht also für die ersten 260000 Identitäten.

Drei Jahre lang wird die Suisse-ID gültig sein, dann muss eine neue beantragt werden. Die zeitliche Beschränkung der Gültigkeit erfolgt aus Sicherheitsüberlegungen. Anhand der Karte plus Kartenleser (respektive USB-Stick) in Kombination mit einem PIN-Code kann man sich fortan digital ausweisen.

So erfreulich es ist, dass nun eine funktionierende Authentifizierungslösung für Private zur Verfügung steht, so weit ist man von den eingangs genannten Szenarien entfernt. Der einzige Amtsgang, der vorerst kompatibel mit Suisse-ID sein wird, ist die Anforderung eines Strafregisterauszugs – nicht gerade eine alltägliche Angelegenheit für die meisten Leute. Steuerämter oder gar Wahl- und Abstimmungsbüros sind noch Jahre davon entfernt, mit der Suisse-ID zu funktionieren.

Es sei ein bisschen wie «mit den ersten Faxgeräten, mit denen man kaum jemandem etwas schicken konnte, weil niemand sonst einen Fax hatte», sagt Quovadis-CEO Carl Rosenast. Er gibt sich aber zuversichtlich, dass sich die Suisse-ID mittelfristig durchsetzen kann.

Gemäss offiziellen Angaben seitens der Suisse-ID sind ab Mai etliche Partner an Bord, darunter Digitec.ch (Altersprüfung beim Kauf von Videogames) oder die Swisspostbox der Post (secure E-Mail). Noch ist die Liste der möglichen Anwendungen für Private sehr überschaubar, zwingende Dienste befinden sich noch keine darunter.

Richtig interessant, weil weit verbreitet, wird die Suisse-ID wohl erst, wenn sie einerseits spürbar günstiger wird und andererseits mit der klassischen Identitätskarte (oder dem Pass, dem Halbtaxabo, der Bankkarte o.Ä.) verschmilzt. Davon sind wir allerdings noch mindestens fünf Jahre entfernt.

Dokument: Tages Anzeiger: Eine ID fürs Internet (pdf, 145 kB)

Datum des Presseartikels: 26. April 2010