In der Schweiz konkretisiert sich die Barrierefreiheit

eCH-Newsletter Nr. 16 vom 20. Dezember 2005

Liebe Mitglieder Kurz vor Weihnachten ist es Zeit für einen kurzen Rückblick und einen Ausblick: Im 2005 wurden im Verein eCH wiederum viel gearbeitet und zahlreiche Anträge wurden genehmigt. Langsam aber sicher kann eCH einen Erfolgsausweis vorweisen. Natürlich wünschen wir uns, dass die Arbeiten schneller vorwärts gehen. Rückmeldungen zeigen uns aber, dass wir auf einem guten Weg sind. Gerne stelle ich drei wichtige Schritte des nächsten Jahres vor:

  • Der Vorstand wird anfangs 2005 eine strategische Planung für eCH entwickeln. Sie soll die prioritäre Stossrichtung für neue Standardisierungsarbeiten vorgeben.
  • Der eCH-Expertenausschuss stellt allen Fachgruppen und Antragsstellern einen Referenten und einen Co-Referenten zur Seite. Die Referenten sind Mitglieder des Expertenausschusses. Sie stehen den Antragssteller beratend zur Verfügung und unterstützen sie bei inhaltlichen Fragen.
  • Die Geschäftsstelle hat eine neue Website erarbeitet, die im Januar 2006 online geschaltet wird.

Die Fachgruppen sind natürlich angehalten, weiterhin Standards, Musterlösungen und Hilfsmittel zu erarbeiten. Eine Übersicht der laufenden und geplanten Arbeiten stellen wir Ihnen an der Generalversammlung vor. Sie findet am 10. März 2006 bei IBM in Zürich–Altstetten statt.
Der vorliegende Newsletter ist dem Thema der barrierefreien Websites gewidmet. Wir danken Ihnen Ihre Mitgliedschaft und wünschen frohe Festtage.

Mit freundlichen Grüssen
Walter Stüdeli, Geschäftsführer

In der Schweiz konkretisiert sich die Barrierefreiheit

Jakob Lindenmeyer, Markus Riesch
Das Internet bietet neue Möglichkeiten für ein selbst bestimmtes, chancengleiches Leben. Darum bedeutet das Internet für Menschen mit Behinderungen ein grosses Stück Freiheit. Die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen im Bereich Internet in der Schweiz wird durch zahlreiche Massnahmen endlich beschleunigt.

Neue Richtlinien des Bundes

Seit dem 23. Mai 2005 sind die neuen Richtlinien des Bundes zur Gestaltung barrierefreier Websites in Kraft. Dieser Standard schreibt vor, dass alle Websites der zentralen Bereiche der Bundesverwaltung, die neu erstellt werden, die Konformitätsstufe AA der WCAG 1.0 erreichen müssen. Bestehende Websites müssen bis zum 31.12.2006 ebenfalls diese Konformität erreichen.
Das seit dem 1. Januar 2004 in Kraft getretene Behindertengleichstellungsgesetz und die dazugehörige Verordnung schreiben aber auch vor, dass alle weiteren Organisationen der öffentlichen Hand, wie Kantone und Gemeinden, ihre Internetangebote zugänglich machen müssen. www.admin.ch/ch/d/sr/151_31/a10.html

Broschüre „Vom Gleichstellungsrecht zu barrierefreiem Internet“

Auswirkungen und Hintergründe der gesetzlichen Rahmenbedingung und der Internetrichtlinien im Bereich Accessibility in der Schweiz werden in einer kürzlich erschienen Broschüre des Eidg. Büros für die Gleichstellung der Menschen mit Behinderungen (EBGB) dokumentiert. Diese Broschüre kann kostenlos bestellt werden beim EBGB oder liegt als PDF in Deutsch und Englisch auf unter: www.design4all.ch/behig/

eCH-Fachgruppe Accessibility

Die Schweizer Initiative „Design4All.ch“ lancierte im Rahmen von eCH die Fachgruppe Accessibility, welche am 20. Oktober 2005 von Vertretern des Bundes, der Kantone, der Gemeinden, von Behinderten-Organisationen und führenden Unternehmen der Informationstechnologie gegründet wurde. Ihr Ziel besteht darin, die Vorgaben des Behindertengleichstellungsgesetzes auch auf Ebene der Kantone und den weiteren Institutionen der öffentlichen Hand umzusetzen und zu begleiten, beispielsweise durch die Erarbeitung von Richtlinien, die auf die eigenen Bedürfnisse zugeschnitten sind.

Ziele der Fachgruppe

Es fehlen Standards und konkrete Umsetzungsmodelle für alle relevanten Webtechnologien und für die sehr unterschiedlichen Anforderungen und Rahmenbedingung der betroffenen Organisationen (Kreise drei und vier des Bundes, Kantone, Gemeinden und andere Organisationen).
Ziele der Fachgruppe sind:

  • Förderung von barrierefreiem eGovernment in der Schweiz durch Standards, Musterlösungen und Best Practices im Bereich Accessibility
  • Information und Sensibilisierung aller betroffenen Organisationen
  • Informations- und Erfahrungsaustauschen zwischen Behörden, Organisationen, Betroffenen, Forschung, Lehre und Privatwirtschaft
     

Erste Sitzung

Die erste Sitzung der eCH-Fachgruppe Accessibility findet am Freitag, 20. Januar 2006 von 14 bis 17 Uhr im Sitzungszimmer der eCH-Geschäftsstelle in Bern statt.
Weitere Informationen zur „eCH-Fachgruppe Accessibility“ erhalten Sie von Markus Riesch (Tel. 044 383 44 16, riesch@design4all.ch) sowie unter www.design4all.ch/ech.

Barrierefreie Websites

Darunter versteht man Seiten, die für alle Internet-Benutzerinnen und -Benutzer zugänglich sind, d.h. gelesen und interpretiert werden können. Die Zugänglichkeit von Websites ist gerade für Menschen mit Behinderungen sehr wichtig, denn das enorme Informationsangebot auf dem Web bringt ihnen ein erhöhtes Mass an Selbständigkeit.
Accessibility kommt aber nicht nur Menschen mit Behinderungen zu Gute. Unter dem Strich profitieren alle User. Eine erhöhte Accessibility bedeutet mehr Komfort und mehr Usability für alle. Unabhängig von gesetzlichen Vorgaben geht es auch darum, soziale Verantwortung zu übernehmen und das Internetangebot zugänglich für alle und damit gleichzeitig die Website zukunftsfähig zu machen.
In 10 Punkten zu einer barrierefreien Website auf: www.access-for-all.ch/de/barrierefrei.html.

Stiftung „Zugang für alle“

Die Schweizerische Stiftung zur behindertengerechten Technologienutzung „Zugang für alle“ ist eine unabhängige Organisation zur Förderung des barrierefreien Zugangs zu Informations- und Kommunikationstechnologien. „Zugang für alle“ ist schwerpunktmässig tätig in der Forschung, Entwicklung, Evaluation und Ausbildung im Bereich barrierefreies Webdesign. Die unabhängige Evaluation von Websites nach den nationalen und internationalen Standards ist ein wichtiges Tätigkeitsfeld für die Stiftung. Alle Websites werden von behinderten und nicht-behinderten Experten getestet und die Resultate werden in konkrete Verbesserungsvorschläge umgesetzt. Weitere Informationen unter www.access-for-all.ch.

Initiative Design4all.ch

Die Initiative Design for All fördert die Verbreitung der Philosophie von Design for All, welche den User, unabhängig seiner Fähigkeiten, in den Vordergrund stellt. Das eCH-Mitglied DESIGN FOR ALL will die Realisierung von allgemein zugänglichen Lösungen fördern. Design for All verfolgt das Ziel, durch Öffentlichkeitsarbeit, Projekte und den Dialog mit Planern, Entwicklern, Designern und Entscheidungsträgern in Unternehmen, Politik und Verwaltung die gebaute Umwelt, aber auch Produkte, Automaten und die Informationstechnologie so zu gestalten, dass sie für möglichst alle Menschen leichter zugänglich und nutzbar sind und dadurch die Lebensqualität nachhaltig verbessern.
Weitere Informationen unter: www.design4all.ch

Generalversammlung 2006

Bitte notieren Sie sich den Termin der Generalversammlung 2006. Sie findet am 10. März 2006 bei IBM in Zürich-Altstetten statt. Die Einladung mit dem Geschäftsbericht werden alle Mitglieder fristgemäss erhalten.

Laufende Vernehmlassungen

eCH-0049 Themenkatalog für Privatpersonen
Frist bis: 10. Februar 2006