Die Politik kommt zum Volk: eGovernment und Social Media
Der moderne Stammtisch heisst Facebook. Oder vielleicht treffender weil umfassender: Social Media. Diskussionen, Abstimmungen – die Meinungsbildung und deren Verbreitung gehen rasend schnell, nicht repräsentativ, aber laut. Wie eGovernment, eParticipation und Social Media einher gehen können, zeigt das Beispiel der Raserinitiative.
Was macht die Raserinitiative so speziell? Es ist der Medienmix. Aber alles der Reihe nach. Die Raserinitiative soll vors Volk, also zur Abstimmung gelangen. Dafür braucht es Unterschriften, und zwar von mindestens 100'000 Stimmberechtigen. Wie sammelt man nun budgetschonend und trotzdem werbewirksam diese Unterschriften? Genau: Social Media. Im Falle der «Volksinitiative zum Schutz von Rasern» kommen neben der eigentlichen Website zwei zentrale Plattformen zum Einsatz: Facebook und Twitter.
Stakeholder in der Facebook-Gruppe
Eine Facebook-Gruppe ist mittlerweile im Handumdrehen eingerichtet. Und die Existenz derselben verbreitet sich wie ein Lauffeuer. Und so zählte die Gruppe der Raserinitiative heute morgen bereits 540 Sympathisanten, Freunde, Sinnesgenossen, Unterstützer, oder wie man sie auch immer nennen möchte. Tendenz steigend, im Minutentakt. Freunde, denen die Idee der Initiative gefällt, leiten den Link mit einem Klick ihren Freunden weiter. Das Schneeballsystem beginnt zu greifen. eParticipation nennt man dies. Alle, die sich an einer Diskussion beteiligen möchten, erhalten eine Plattform, eine grosse Bühne. Zuhörer und Zuschauer, Mitleser und Weiterverbreiter stehen in den Startlöchern. Und gleichwohl ist niemand gezwungen, sich in irgendeiner Form zu beteiligen. Dabei sein kann schon alles sein. Und dies wiederum ist eine Win-Win-Situation für beide Parteien. Der Gruppen-Gründer erhält schnell einen ungefähren und natürlich absolut nicht repräsentativen Überblick darüber, wie beliebt sein Anliegen ist. Und das Facebook-Mitglied kann mit seinem Bekenntnis ein kleines Statement zuhanden seiner Bekanntschaften abgeben. Das Geben-und-Nehmen funktioniert auf beiden Seiten.
Verbreitung via Twitter
Der zweite Kanal, den die Initianten zu nutzen gedenken ist Twitter. Und auch hier stecken sie noch in den Startlöchern. Heute morgen waren es gerade einmal 10 andere Twitter-User, welche die Nachrichten von http://twitter.com/Raserinitiative verfolgten, sogenannte Follower. Tendenz auch hier steigend. Da Twitter mit Sicherheit eine viel kleinere Verbreitung hat als Facebook, dürfte sich auch das Engagement der Content-Produzenten der Initiave auf eine andere Zielgruppe lenken: Newsjunkies und Medienschaffende. Newsjunkies? Ja, richtig gelesen. News werden heute oft direkt von Medienkonferenzen oder ganz allgemein von Veranstaltungen, direkt und unverblümt via Twitter verbreitet. So kann man die heutige Pressekonferenz direkt via Twitter mitverfolgen; bequem und häppchenweise. Und vermutlich nicht wesentlich unkritischer, als es in den Abendausgaben der Pendlerzeitungen der Fall sein wird. Und auch dies hat einen Grund: Die neue Medienbeobachtung.
Medienbeobachtung und live monitoring
Stimmungsmache und Meinungsverbreitung geschieht heute derart schnell, dass selbst etablierte elektronische Medien wie Radio und Fernsehen oft das Nachsehen haben. Was jetzt geschieht, kann im nächsten Augenblick bereits via Twitter verbreitet in der ganzen Welt für Aufsehen sorgen. Und noch bevor das Thema in den Abendausgaben der Pendlerzeitungen erwähnt wird, sind womöglich bereits die ersten Gruppen in Facebook erstellt worden. 10 dafür und ebensoviele dagegen. Und dank eines Hinweises in den traditionellen Medien nimmt die Popularität der entsprechenden Gruppen rasend schnell zu. So läuft das Spiel mittlerweile. Verstand man unter Medienbeobachtung einst, andere Zeitungen oder digitale Erzeugnisse von Medienhäusern auszuwerten, gilt es heute Social Media Kanäle zu verfolgen. Live Monitoring ist absolut im Trend und bestimmt vermutlich bereits jetzt schon ziemlich oft im Tagesjournalismus die Agenda.