Erste Schritte mit PostgreSQL

Mischa Sameli, Geschäftsführer & Leiter Entwicklung

PostgreSQL, wie bitte? Noch nie gehört? Nicht so schlimm, denn sehr häufig hört man nicht von diesem Produkt. MySQL ist klar in aller Munde, MSSQL, Oracle oder Access kennen vermutlich auch fast alle, mindestens vom hören sagen. Aber PostgreSQL ist in unseren Breitengraden weitestgehend unbekannt. Zu unrecht, wie ich finde.

PostgreSQL überzeugt nämlich in vielerlei Hinsicht und lässt Konkurrenten alt aussehen. Ein paar der Pluspunkte:

  • Die Datenbank ist wie MySQL kostenlos erhältlich, kann aber im Vergleich zu MySQL aufgrund einer offeneren Lizenz besser weiter vertrieben werden.
  • Das Produkt ist sehr ausgereift und stabil. Seit 1996 kennt man PostgreSQL, mittlerweile ist die Versionierung bei 8.3.6.1 angelangt.
  • Der Datenbankserver arbeitet sehr Ressourcen-schonend und trotzdem absolut performant. Im Vergleich zu MySQL sind die Werte puncto Geschwindigkeit auch unter hoher Last bedeutend besser – absolut in der Liga der Grossen Datenbanken von Microsoft und Oracle.
  • PostgreSQL beinhaltet alle notwendigen Standards und Erweiterungen. Gerade im Bereich von StoreProcedures, Transaktionen und Triggern hatte MySQL lange das Nachsehen gegenüber den Grossen. Erst mit der Version 5 sind diese Funktionen dazugekommen, von Stabilität kann aber noch nicht wirklich gesprochen werden.
  • PostgreSQL verspricht Kontinuität. Das Produkt wurde kontinuierlich weiterentwickelt, bei keinem Release wurden grössere Probleme bekannt. MySQL's Zukunft hingegen ist unklar, seit Sun die Herrschaft übernommen hat. Derzeit wird an einer neuen Datenbankengine gewerkelt, denn weder MyIsam noch innoDB sind so generell performant einsetzbar wie die kommerziellen Datenbanken. Die neue Engine soll in zwei Jahren fertig, sprich in drei Jahren zu Gebrauchen sein. Schöne Aussichten.
  • Die Datenbank bietet eine Vielzahl von Erweiterungen und Datentypen. Gerade im Bereich von Geoinformationssystemen wird diese Datenbank häufig eingesetzt. Kein Wunder also, setzt unser Partner geomatic ebenfalls dieses Produkt ein.
  • Die Datenbank kann im ColdFusion-Umfeld problemlos eingesetzt werden – was übrigens auch schon häufig gemacht wird.

Selbstverständlich ist nicht alles Gold, was glänzt. Und so hat auch der Einsatz von PostgreSQL ein paar Nachteile. Der wichtigste gleich vorneweg: es ist etwas neues, man kennt also noch nicht alles in- und auswendig, man muss es einfach ausprobieren und lernen. Abgesehen davon besteht kein so komfortables Tool wie der Enterprise Manager für MSSQL oder HeidiSQL für MySQL. Das mitgelieferte gratis Tool Postgres Studio bietet aber in etwa die gleiche Funktionalität wie der Enterprise Manager – alles Gewöhnungssache. In einer losen Folge werde ich ein wenig von den praktischen Erfahrungen berichten.