Barrierefrei, was habe ich davon?

Christian Hojas, Senior Webapplication-Entwickler

Was zeichnet eine barrierefreie Website überhaupt aus? Umgangssprachlich wird barrierefrei oftmals mit blindentauglich gleich gesetzt. Und die nächste Frage lautet dann: wie viele Besucher ohne Augenlicht wird es auf meiner Homepage geben, soll ich für diesen geringen Anteil wirklich Zusatzaufwand betreiben?

Diese Einstellung ist falsch, denn die Berücksichtigung auf Blinde ist nur ein ganz geringer Teil bei der Erstellung einer barrierefreien Homepage. Eine barrierefreie Homepage nimmt unter anderem Rücksicht auf:

  • kontrastreiche Farben (z. B. Kein dunkelblauer Text auf hellblauem Hintergrund) für Personen mit Farbsehschwäche («Farbenblinde»)
  • leicht verständliche Texte mit kurzen Sätzen
  • und natürlich auch auf blinde Besucher (konsequentes Trennen von Design und Inhalt, Darstellung des Quellcodes in einer sinnvollen Reihenfolge,…)

Was habe ich persönlich davon?

Wenn Sie ihre Homepage konsequent nach den Richtlinien für barrierefreies Webdesign gestalten, dann…

  • …wird Ihre Website besser gefunden: Ein Suchmaschinen-Robot wie ihn z. B. Google verwendet, «sieht» Ihren Inhalt nicht anders als beispielsweise ein Screenreader.
  • …wird Ihre Website schneller laden: Eine barrierefrei gestaltete Website kann Technologien wie Caching am besten verarbeiten.
  • …wird Ihre Website leichter wartbar: Das Trennen von Design und Inhalt macht es ihnen viel leichter, Texte zu ändern und neue Seiten hinzuzufügen.
  • …wird Ihre Website gerne und länger besucht: Einfach verständliche Texte und eine logische Struktur animieren alle Besucher dazu, gerne auf Ihrer Seite zu verweilen.

Trennung von Inhalt und Design

Vor einigen Jahren, als das Internet langsam für Werbezwecke, Firmenpräsentation udgl. Entdeckt wurde, kam auch der Wunsch nach grafischer Gestaltung auf (bis dahin waren Internetseiten zumeist mehr oder werniger reine Textseiten). Die damals gängigen Browser wie der Internet Explorer 3.0 oder Netscape 4.0 konnten Gestaltungswünsche aber kaum umsetzen. Also behalf man sich damit, die Darstellung in der Homepage in mehreren verschachtelten Tabellen umzusetzen. Das sah dann ungefähr so aus:

Die roten Rahmen zeigen die Abgrenzung der einzelnen Zellen innerhalb der Tabelle an. Die grünen Rahmen stellen eine weitere Tabelle innerhalb einer Zelle der roten Tabelle dar. Die blauen Rahmen sind noch eine weitere Tabelle innerhalb der grünen Tabelle (dreifach-Verschachtelung).

Man hat also die komplette Homepage in eine Tabelle mit diversen Zeilen (<tr>) und einzelnen Zellen (<td>) zerlegt. Wollte man die einzelnen Zellen weiter unterteilen, hat man in diese Zellen wiederum Tabellen eingefügt. So kamen unendlich tief verschachtelte Tabellen, die im Quelltext kaum mehr lesbar waren zu Tage.

Tabellen dienen zur Anzeige von Daten, nicht als Gestaltungshilfe!

In der heutigen Zeit sollte man eine Homepage so nicht mehr umsetzen. Ein Screenreader, wie er von Bilden zum Vorlesen des Inhaltes verwendet wird) liest den Quelltext von oben nach unten. Somit sollte das Wichtigste, der Inhaltsteil, nach Möglichkeit auch im Quelltext zu oberst erscheinen oder durch Access-Keys erreichbar sein. Die Gestaltung und Positionierung wird grundsätzlich von CSS erledigt.

So "sieht" ein Screenreader die Seite http://www.backslash.ch/xml_1/internet/de/application/d6/f29.cfm. Um dem Besucher das Navigieren durch die Seite zu erleichtern, wurde zusätzlich ein Block mit Access-Keys am Beginn der Seite eingefügt. Dieser Block ist versteckt und nur im Quelltext sichtbar. Damit kann der Besucher direkt zu den einzelnen Inhaltsbereichen (Navigation, Text, Suche etc.) springen.

Erstellung und Unterhalt einer barriefreien Internetseite

Die Verantwortlichkeit, eine Website barrierefrei zu unterhalten, liegt bei allen Beteiligten. Der Programmierer muss einen sauberen Quellcode zur Verfügung stellen, der Designer muss die Gestaltungssprache CSS korrekt umsetzen um das gewünschte Design zur erhalten. Hier kommt man ohne Überarbeitung des HTML-Quellcodes auch kaum an das gewünschte Ziel.

Auch die Personen, die später, zum Beispiel in einem Content-Management-System Inhalte erfassen, sind gefordert. Sie müssen einfach verständliche Texte schreiben und den eingefügten Objekten (Bilder, Videos usw.) Textbeschreibungen für Personen bzw. Geräte, die diese Bilder nicht sehen können, zuweisen, z. B.:

1<img alt="Ein Bild von Christbaumkugeln, die an einem Weinachtsbaum h&auml;ngen." src="/asset/images/blog/christbaumkugeln.jpg" />

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