Was bedeutet «Mobileweb»?

Fabian Reichle, Webdesigner (bis 2010)

Wir schreiben das Jahr 1996, Nokia bringt seinen Communicator 9000 auf den Markt – das erste Handy mit Zugang zum «richtigen» Internet. Drei Jahre später wird in Japan der i-mode-Dienst aufgeschaltet; ein Portal, welches Webseiten für Mobiltelefone darstellen und anpassen kann. Seit diesen Meilensteinen ist viel passiert, Handys sind weit verbreitet und mobiles Surfen im Internet ist längst zum Alltag geworden.

Nokia Communicator 9000Unter dem Begriff versteht man im Prinzip nichts anderes als das Internet aus der Sicht von mobilen Eingabegeräten, in erster Linie Handys. Dies umfasst den Zugang zu Webseiten und entsprechenden Applikationen, die online benutzt werden können. Der Zugang wird dabei via Mobilempfang oder Wireless Netzwerken erstellt.

Ich habe gehört, das sei ziemlich mühsam, dieses mobile Surfen…

Im Jahre 2008 war die Zuhname von mobilen Internetnutzern erstmals grösser als diejenige von stationären Computernutzern. Trotzdem scheuen sich nach wie vor viele vor dem mobilen Web. Dies ist in gewisser Weise berechtigt, da die Handhabung in der Regel mühsamer ist, als wenn eine Webseite an einem Computer geöffnet wird. Limitierungen sind zum Beispiel folgende:

  • kleiner Bildschirm
    Webseiten, welche für normale Computerbildschirme konzipiert worden sind, werden auf einem kleinen Handybildschirm zu gross angezeigt.
  • Navigation
    Das Fehlen von Eingabegeräten wie Maus und Tastatur macht die Bedienung einer Webseite schwierig.
  • Geschwindigkeit
    Das Handynetz erreicht bei Weitem nicht die Bandbreite, die via Kabel erreicht werden kann. Grosse Seiten brauchen dementsprechend lang, bis sie geladen sind.
  • Fehlen von webbasierenden Applikationen
    Weitverbreitete Techniken wie JavaScript, Flash oder der Einsatz von Cookies können unter Umständen auf Handys nicht korrekt funktionieren.

Das klingt nicht gerade rosig, aber für all die Stolpersteine, die einem in den Weg gelegt werden, gibt es auch eine entsprechende Lösung.

Was kann gegen diese Probleme unternommen werden?

Lösungen müssen in erster Linie vom Entwickler einer Webseite umgesetzt werden.

Beispielsweise kann parallel zur normalen Webseite eine Version aufgebaut werden, welche lediglich von mobilen Endgeräten aufgerufen werden soll. Solche Seiten sind vom Aufbau her meistens komplett anders, als ihre «grossen Brüder». Folgende Merkmale zeichnen eine durchdachte Mobilewebseite aus:

  • Dynamisches Layout
    Die Webseite sollte sich dem Handybildschirm anpassen und dabei nicht zerrissen werden. Tests können mit Emulatoren durchgeführt werden; zum Beispiel mtld.mobi/emulator
  • Einsatz von spezifischen Mobileweb-Standards
    Für Handys wird, wie bei normalen Webseiten auch, HTML und CSS zur Umsetzung gebraucht. Allerdings wurden für Handys eigene Versionen (XHTML Mobile Profile und Wireless-CSS) entwickelt, welche mit speziellen Einsatzmöglichkeiten aufwarten. Für dynamische, animierte Inhalte kann Flash Lite verwendet werden.
  • Kompakte Gestaltung
    Mobile Webseiten sollten keine schweren Grafiken fürs Layout verwenden und auch sonst ist der Einsatz von Bildern und ladeintensivem Material mit Bedacht einzusetzen.
  • Behindertentauglichkeit / Accessibility
    Es verhält sich wie bei normalen Webseiten auch – je mehr Wert auf die Behindertentauglichkeit gelegt wird, desto weniger Anpassungen müssen für die Handyausgabe gemacht werden. Dabei gilt der Grundsatz: ein Handy ist in gewisser Weise auch eine Behinderung (Bedienung, Ausgabegrösse etc.)
  • Spezielles
    Es gibt Dinge, die machen auf einem Handy mehr Sinn als auf einem gewöhnlichen Bildschirm. Beispielsweise ist es eine nette Zusatzfunktion, wenn Telefonnummern angeklickt werden können, um eine direkte Verbindung herzustellen. Ein weiterer Punkt sind Bildschirme, die sowohl im Hoch- wie auch Querformat funktionieren, dies kann unter Umständen für die Webseite ebenfalls von Nutzen sein.
  • eigene Topleveldomain einsetzen
    Für Handywebseiten wurde die «.mobi»-Topleveldomain eingerichtet, welche genutzt werden kann. Weitere Informationen findet man unter www.google.mobi oder www.amazon.mobi

iPhone
Die Webseite von 20min auf einem iPhone in horizontaler sowie vertikaler Ansicht.

Und die Zukunft?

Es wäre falsch zu behaupten, dass das Mobileweb noch in den Kinderschuhen steckt. Vielmehr ist es das noch nicht ausgeschöpfte Potential, welches Webseiten auf einem Handy oftmals als primitiv umgesetzt erscheinen lassen.

Doch die rasant schnelle Verbreitung von mobilen Geräten in den letzten Jahren und die Zunahme von Smartphones, die das mobile Surfen um einiges erleichtert und eventuell auch revolutioniert haben, lassen eine spannende Entwicklung erwarten. Dazu kommt, dass Mobilfunkstandards über kurz oder lang akzeptable Datendurchsätze erreichen werden.

Über allem steht jedoch die Akzeptanz und Wahrnehmung vom Mobileweb und die Neugier der Entwickler, etwas Neues zu probieren. Denn das Angebot und die Nachfrage entscheiden schliesslich darüber, wie sich das Mobileweb entwickelt und in unseren Alltag weiter integriert.