Wie lese ich eine Besucherstatistik?

Thomas Schöni, Leiter IT & Support

Wenn wir aus einer Besucherstatistik nützliche Daten herauslesen wollen, müssen wir zuerst die wichtigsten Begriffe kennen lernen. Beginnen wir das kleine Einmaleins der Statistikauswertung mit der Erklärung der Grundbegriffe. Als Ausgangslage dient uns folgender Auszug aus einer grafischen Auswertung:

Auszug einer Statistik: Anzeige von Besuchern, Besuchen, Seiten, Zugriffen und Bytes

Was können wir nun aus diesen Daten herauslesen, respektive was versteht man unter den fünf neu eingeführten Begriffen?

Unterschiedliche Besucher

Diese Zahl gibt an, wie viele verschiedene Rechner und damit Benutzer innerhalb eines Zeitraumes die Website besucht haben.
Weitere Definitionen für diesen Begriff sind unterschiedliche Anwender, unterschiedliche Rechner, Unterschiedliche Hosts oder Unique User Agents.

Anzahl der Besuche

Diese Zahl beschreibt, wie viele Besuche innerhalb eines Zeitraumes auf dem Webserver registriert worden sind.
Diese Messgrösse kennt man auch unter den Begriffen Sitzungen, Sessions und Visits.

Seiten

Dieser Begriff beinhaltet die Zahl der Abrufe auf Dokumentseiten, wie zum Beispiel Startseite, Kontaktformular oder Impressum. Auf diesen Seiten enthaltene Bilder, Stylesheets oder Skripte werden nicht gezählt. Zudem werden nur Abrufe von Seiten gezählt, wenn diese effektiv vom Webserver geladen worden sind. So werden Seiten, die aus einem Proxy-Server geladen wurden, nicht mitgezählt.
Alternative Bezeichnungen für diesen Begriff sind Seitenimpressionen, Impressions, Seitenabrufe, Pageviews oder Pages.

Zugriffe

Die Anzahl der Zugriffe ist gleich der Summe der Anfragen auf eine Webseite; man spricht deshalb auch oft von Anfragen oder Gesamtabrufen. Dabei werden alle Elemente einer Seite mitgezählt, also auch Bilder, Dokumente, Stylesheets oder Skripte.
In unserem Beispiel gehen wir von einer Seite (index.html) aus. Diese enthält 3 Bilder. Daraus ergibt sich 1 Hit für die Datei index.html und 3 Hits für jeweils ein Bild.
Die Zugriffe werden in den meisten Programmen Hits genannt. Dieser Begriff wird auch häufig verwendet, wenn die Zugriffszahlen einer Webseite kommuniziert werden.

Bytes

Jede Datei, die zur Anzeige heruntergeladen werden muss, besitzt eine spezifische Dateigrösse. Diese wird in Bytes oder Kilobytes angegeben. Die Gesamtsumme aller übertragener Daten spielt beispielsweise dann eine Rolle, wenn im Hostingvertrag die monatliche Datenmenge limitiert ist.

Ein Beispiel aus der Praxis

Zum besseren Verständnis vertiefen wir unser Wissen anhand eines kleinen Beispiels: Ein Benutzer an einem Computer besucht mit seinem Webbrowser folgende Webseite:

Der Aufruf der Webseite wird als Zugriff in einer Log-Datei protokolliert. Hier der Auszug aus der Log-Datei.

193.135.56.252 – - [27/Nov/2009:10:10:23 +0100] "GET / HTTP/1.1" 200 631 "-" "Mozilla/5.0 (Windows; U; Windows NT 5.1; de; rv:1.9.1.5) Gecko/20091102 Firefox/3.5.5 (.NET CLR 3.5.30729)"
193.135.56.252 – - [27/Nov/2009:10:10:23 +0100] "GET /bilder/bild1.jpg HTTP/1.1" 200 33076 "http://www.statistik.ch/" "Mozilla/5.0 (Windows; U; Windows NT 5.1; de; rv:1.9.1.5) Gecko/20091102 Firefox/3.5.5 (.NET CLR 3.5.30729)"
193.135.56.252 – - [27/Nov/2009:10:10:23 +0100] "GET /bilder/bild3.png HTTP/1.1" 200 16499 "http://www.statistik.ch/" "Mozilla/5.0 (Windows; U; Windows NT 5.1; de; rv:1.9.1.5) Gecko/20091102 Firefox/3.5.5 (.NET CLR 3.5.30729)"
193.135.56.252 – - [27/Nov/2009:10:10:23 +0100] "GET /bilder/bild2.jpg HTTP/1.1" 200 43270 "http://www.statistik.ch/" "Mozilla/5.0 (Windows; U; Windows NT 5.1; de; rv:1.9.1.5) Gecko/20091102 Firefox/3.5.5 (.NET CLR 3.5.30729)"

Da auf dieser Seite 3 Bilder verwendet werden, erhalten wir vier Log-Einträge:

  • 1x für die Seite selbst
  • 1x für das erste Bild
  • 1x für das zweite Bild
  • 1x für das dritte Bild

Das Programm, das aus diesen Daten eine lesbare Statistik erstellt, interpretiert dies mit 4 Hits, einer Seite, einem Besucher und 91.29 KB heruntergeladenenden Daten. Selbstverständlich können Statistikprogramme eine ganze Fülle weiterer interessanter Daten liefern. Zum Beispiel:

  • Anzahl der Besucher
  • Welche Seite wurde aufgerufen
  • Wann wurden die Seiten aufgerufen
  • Welcher Besucher hat wann welche Seite aufgerufen
  • Wie viele Unterschiedliche Benutzer haben die Seiten aufgerufen
  • Wie viele Seiten wurden in welchem Zeitraum aufgerufen
  • Woher kamen die Besucher
  • Und vieles mehr…

Auswertungsprogramme für Statistiken

Daraus stellt sich natürlich die Frage, welche Statistik-Tools auf dem Markt vorhanden sind. Hier eine kleine Auswahl davon:

Webalizer

Das wohl bekannteste Beispiel heisst Webalizer und bietet folgende Vorteile:

  • einfaches Auswertungs-Tool
  • wird bei den meisten Webhostern angeboten
  • alle wichtigen Daten werden ausgeben

Leider ist es grafisch nicht sehr ansprechend aufgebaut und auch die Möglichkeiten zur Analyse der Daten lässt zu wünschen übrig. Hier das Beispiel ausgewertet mit dem Webalizer.

AWStats

Mein persönlicher Favorit ist AWstats und überzeugt durch diese Eigenschaften:

  • schöne Graphische Oberfläche
  • guter Aufbau
  • sehr ausbaufähig
  • gut konfigurierbar
  • je nach Einstellung kann der Benutzer die Oberfläche selbst steuern

Hier das Beispiel ausgewertet mit dem AWstats.

Google Analytics

Google bietet mit Analytics eine spezielle Form von Besucherstatistik. Um die Dienste von Google Analytics nutzen zu können, muss ein spezieller JavaScript-Code in die eigene Website integriert werden – im Gegensatz zu den Serverlösungen müssen folglich Änderungen an der Website vorgenommen werden. Zu den Vorteilen von Analytics gehören:

  • einfache Einbindung von Adwords
  • einfache Überwachung von Suchmaschinenoptimierungen
  • die Statistik kann selbst gesteuert werden
  • zur Auswertung muss ein spezielles Skript hinterlegt werden.

Ein grosser Nachteil von Google Analytics ist allerdings, dass nur Benutzer erfasst werden, welche JavaScript im Browser aktiviert haben. Wer also aus Sicherheitsgründen ohne JavaScript unterwegs ist, wird vom Google-Tool nicht bemerkt. Daraus kann sich dann durchaus eine Abweichung gegenüber Serverlösungen wie Webalizer oder AWStats ergeben.

Fazit

Welches Tool das Beste ist, muss jeder für sich selbst entscheiden – je nach Nutzen und Anwendungszweck.
Was bei allen Programmen zu beachten ist: Leider analysiert jede Software die gesammelten Daten anders. Die Zahlen können sich daher von Programm zu Programm stark unterscheiden, auch wenn man genau die gleichen Log-Dateien auswertet.